Silicon Valley im Krieg und die Leiden des jungen Wieners!
Die ser Blog wird von finderly Mitgründer Armin Strbac verfasst. Armin verbringt für finderly einige Wochen im Silicon Valley und wird dort in seinen Worten von seinen Erfahrungen berichten und zwar so wie ihm der Kopf steht ironisch, überspitzt, sarkastisch und ehrlich.
Es stimmt! VCs interessieren sich hier tatsächlich nur für Unternehmen, die sie in kürzester Zeit mit dem Auto erreichen können. Dabei ist jedoch der Stau auf der 101 und den anderen großen Freeways nicht miteingerechnet. Natürlich gibt es auch hier Ausnahmen, aber es gibt etliche Beispiele in denen VCs im letzten Moment kalte Füße bekommen haben, weil ihnen die mangelnde geografische Nähe zu viel Risiko war. Und damit meine ich nicht Nähe zum anderen Land…nein, nein einfach alles was wirklich weiter weg ist als eine Autostunde. Irgendwie schon eigenartig, wenn man bedenkt in einem Land zu sein, in dem eigentlich alles mit dem Auto gemacht wird und eine 4-Stundenfahrt als kleine Spritztour angesehen wird.
Trotzdem hier mal gleich das erste wichtige Fazit: Willst du einen Investor im Valley finden, muss deine Firma hier vor Ort sein. HIER!
Vor Ort heißt, dass zumindest eine fähige Salesmannschaft hier Stellung bezieht, am besten alle wichtigen Führungskräfte mit Entscheidungsmacht und wenn möglich auch noch alle geistigen Vermögenswerte hierher verlagert werden. Dann kann man so langsam mal anfangen hier auf Investorensuche zu gehen. Übrigens die gleichen Regeln sollen für Großkunden gelten, wobei man in diesem Fall einen Vertriebspartner als Zwischenmann nutzen kann. Doch langfristig wird auch hier kompetente und prompte vor Ort Betreuung erwartet.
Interessanterweise darf das Entwicklungsteam ruhig am Gründungsort bleiben…auch in einem anderen Land. Der Grund dafür ist klar, hier herrscht Krieg am Recruitingmarkt. Fähige und auch weniger fähige Leute können sich die Stellen aussuchen und dabei auch noch ein schönes Gehalt einstreichen, denn es herrscht Not am Mann. Alle die großen Universitäten, die sich hier in der Gegend versammeln können gar nicht so viele Leute ausspucken wie derzeit gesucht werden. Dies führt dann zu durchaus bizarren Szenen bei Events, bei denen am Anfang jeder noch schnell seine offenen Positionen in den Saal rufen darf, in der Hoffnung das zufällig jemand im Saal ist, der gerade auf Jobsuche ist oder jemanden kennt der passen würde. Resonanz fällt dabei äußerst mäßig aus. Aber man kann sich dann ja beim „networken“ gegenseitig bedauern wie unfair der Arbeitsmarkt denn nicht sei und wie viele Fachkräfte nicht fehlen würden.
Das Problem verschärft sich noch dadurch, dass viele Personen die derzeitige Stimmung dafür nützen um ihren Lebenslauf zu verschönern und noch paar große Namen darin platzieren und dann schnell wieder weg sind. D.h. heute jemanden finden bedeutet nicht, dass ich in paar Wochen nicht wieder ein Problem hab.
Die enorme Nachfrage liegt wiederum an einer bewundernswerten Besonderheit von San Francisco und dem Valley. Bei einem Event vor ein paar Tagen zum Thema Viralität wurde am Anfang die Frage gestellt wer im Publikum denn ein „Gründer“ sei. Mehr als die Hälfte, wenn nicht sogar 2/3 der Anwesenden hoben die Hand. Jeder hat eine Idee (oder mittlerweile die dritte) oder eine Vision und versucht andere dafür zu begeistern und mitzureißen. Jeder erzählt gerne von seiner Idee und tut zumindest so als ob er sich auch für deine Idee interessieren würde…und alle Treffen sich bei den unzähligen Events.
Plancast, Meetup oder Eventbrite sind voll von Events von Kreativen, Startups, Developern, Technologieträgern und jede
m anderen der gerne mal ein Event veranstalten möchte. Und die Leute kommen. Man verzichtet auf Sitzplätze und quetscht sich in die Menge. Tag für Tag könnte man pausenlos von einem Fingerfood Buffet zur nächsten Gratispizza wandern. Dabei erreicht der Lärmpegel unvorstellbare Ausmaße. Ein Rudel tollwütiger Paviane bei der Paarung könnte nicht mehr Lärm erzeugen als ein Saal voller Leute aus dem Startup-Ecosystem. Die Lautstärke erreicht jedoch nur Spitzenwerte während der „Networking-time“. Während der eigentlichen Veranstaltung tut sich nicht so viel.
Networking ist das magische Wort, auf das so viele schwören und jedoch so viel Unheil bringen kann. Im Sekundentakt gehen wildfremde aufeinander zu, suchen sich irgendein Merkmal an ihrem Gegenüber und schon geht das Gespräch los. Zentrale Frage wird jedoch immer sehr schnell „What do you do?“. Für einen Moment hält der Gesprächspartner inne und hört gespannt zu, man sieht die Zahnräder im Kopf förmlich arbeiten und dabei wird der aufgenommene Inhalt nach fixem Schema analysiert: Investor-Nein, passt ins Recruiting Profil-Nein, Kann sonst irgendwie nützlich sein-Nein, potentieller Sex-partner-Nein, Interessante Idee oder cooler Typ-wen interessiert’s. Dann werden die Seiten getauscht und das Spiel wiederholt sich. Die meisten Gespräche Enden dann wieder entweder indem sich einer der Gesprächspartner einfach umdreht und weggeht oder mit dem Satz: “Do you have a business card – thank you – I will add you on LinkedIn“. Jeder Soziologe und Anthropologe könnte hier Stoff für mehrere Nobelpreise finden.
Das Unheil kommt jedoch von einem selbst. Hochkarätige Sprecher oder Diskutanten verführen einen dazu auf zu viele Events zu wollen. Innerlich hat man Angst, man könnte was verpassen. Es könnte ja diesmal die Erleuchtung dabei sein. Ganz schrecklich wird es wenn zwei Events gleichzeitig stattfinden (sehr oft). Die Gefahr besteht, dass man vor lauter Events und Networking irgendwann vergisst, dass man auch noch ein Produkt hat an dem man eigentlich arbeiten sollte.
Der Wiener an sich hat glücklicherweise einen natürlichen Schutzschild. Networking nach Schema F ist dem Wiener zu mühsam. Und nach der 5. Visitenkarte an einem Abend ist man körperlich und geistig erschöpft. Auch die amerikanische Pizzagewürzmischung bekommt einem nicht so gut also versucht man zielgerichtet sich die Events auszusuchen und das schlechte Essen zu vermeiden. Da eine zu häufige Wiederholung auch zu sehr aufs Gemüt schlägt selektiert man genau. Leider muss ich zugeben, dass ich noch immer nicht weiß was ein gutes Event ist und was nicht. Man sollte sich keinesfalls von großen Namen oder Firmen blenden lassen, denn ein hochkarätig besetztes Event stellte sich als inhaltlicher Reinfall heraus während ein eher unscheinbares durchaus inspirierend war. Ich finde es aber noch heraus!
Wenn ihr wissen wollt, was wir so alles bei unserer Tour de Silicon Valley falsch machen, ob es besser ist in San Francisco zu wohnen oder eher im traditionellen Valley Gebiet rund um Palo Alto, dann einfach den nächsten Blog lesen…der hoffentlich früher kommt uns kürzer wird.
PS: Eine clevere Idee am Schluss. Ein Eventveranstalter hat die Eintrittskarten für Ivy-League (Top-Unis wie Stanford, Harvard, MIT) Absolventen oder Personen die einen solchen Mitbringen deutlich reduziert. Bei der Anmeldung muss man dabei unter anderem sein LinkedIn Profil verlinken…clever oder? Da kann man sich noch was abschauen.









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